Schuljahr 2010/11                                                                                           Realschule Haren
Klasse 10b

Volkstrauertag in Lommel 2010

Schülerbeitrag RS Haren/Ems

                  Die Krypta            

krypta.jpg

2.jpg

Sprecher 1
 
Liebe Besucher,
heute möchte ich zu euch sprechen, ich, die Krypta. Ich stehe hier seit über fünf Jahrzehnten und schaue auf fast 40.000 Gräber. Ich bin erbaut aus schwarzem Gestein. Schwarz, die Farbe der Trauer, aber auch die Farbe, die nicht reflektiert, nichts zurückweist, die alles Licht in sich aufnimmt. Auch ich habe in der langen Zeit viel aufgenommen: Die Gedanken der Besucher, die an diesem Ort verweilen, ihre Gebete, ihre Trauer, ihre Verzweiflung, ihre Not, ihre Wünsche und ihre Träume, vor allem aber auch ihre Tränen. Nach den vielen Jahren, die ich hier stehe, kenne ich die Geschichte aller Menschen, die hier ruhen…
 
Einer davon ist Rudolph Meyering aus Haren, er liegt in Block 46 Grab Nummer 61
 
 
Sprecher 2:
 
Ich wurde 45 Jahre alt. Mein Leben änderte sich schlagartig, als ich mit 39 Jahren Soldat werden musste. Ich starb an Weihnachten 1945. Meine Familie erfuhr erst Monate später von meinem Tod. Ich hinterließ eine Frau und sechs Kinder. Sie waren das Wichtigste in meinem Leben. Ich bin dankbar für jeden Moment, den ich mit ihnen verbringen durfte.
 
Immer wieder stelle ich mir die Fragen: Wie haben sie ohne meine Hilfe weiterleben können? Was ist aus ihnen geworden? Wie hätte man all dies verhindern können?
 
 
Sprecher 1
 
In Block 28 Grab Nummer 588 liegt Wilhelm Klumpe aus Werlte
 
 
Sprecher 3:
 
 
Ich bin nur 22 Jahre alt geworden. Schon in meiner Kindheit verlor ich beide Elternteile. Dadurch entwickelte ich ein besonders enges Verhältnis zu meinen drei Geschwistern. Mein Bruder erlitt das gleiche Schicksal wie ich. Er wurde in Russland getötet, ich hier in Belgien. Unser Tod traf besonders unsere große Schwester sehr hart: Sie erkrankte schwer.
 
Ich hatte ein sehr enges Verhältnis zu meiner kleinen Nichte und hoffe, dass sie auch heute noch manchmal an mich denkt.
 
 
Sprecher 1
 
 Ich weiß, dass seine Nichte die Erinnerungen an Wilhelm nicht erlöschen lässt. Oft blättert sie in alten Feldpostbriefen und Fotoalben, wie andere Angehörige auch.
 
 
Sprecher 1
 
In Block 21 Grab Nummer 409 liegt Willi Schwenen aus Hemsen
 
Sprecher 4:
 
Ich hatte eine Tischlerlehre gemacht. Meine Leidenschaft waren Intarsienarbeiten. Für meine Mutter blieb nur ein von mir gestalteter Nähkasten als Erinnerung. Ich bin einer von über 3500 der 17- und 18-Jährigen, die auf dieser Anlage beerdigt wurden. Wir alle hatten uns auf ein anderes Leben gefreut.
 
 
Sprecher 1
 
In Block 41 Grab Nummer 146 liegt Helmut Zimmermann
 
 
Sprecher 5
 
Ich bin der jüngste auf diesem Friedhof. Mein Leben endete schon nach 15 Jahren. Heute würde man mich einen Kindersoldaten nennen. Ich stelle mir immer wieder zwei Fragen: Wie wäre mein Leben ohne den Krieg verlaufen? Warum gibt es auch heute noch Kindersoldaten?
 
 
Sprecher 1
 
Heute ist der Volkstrauertag, der Tag, an dem die Menschen aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedenken, auch der Opfer, deren Namen und Gräber nicht bekannt sind.
 
 
Die Menschen kommen zu mir, um der Toten zu gedenken. Heute bin ich ein Denkmal, aber ich möchte auch ein Mahnmal sein. Ich will die Menschen mahnen, aus der Vergangenheit zu lernen.
 
 
Mit jedem Morgen, an dem die Sonne über den Gräbern aufgeht, schöpfe ich Hoffnung, die Hoffnung auf Frieden. Ich freue mich, dass es den Gingkobaum als Zeichen dieser Hoffnung an diesem Ort gibt.
 
 
Die Schüler treten zusammen vor:
 
Sprecher 6
 
Wir wollen aus der Vergangenheit lernen. Also lasst uns etwas tun. Ein Beispiel dafür ist die Aktion Rote Hand gegen den Einsatz von Kindersoldaten.
 
 
 
Alle:
 
Jeder kann mitmachen. Engagiert euch!
 
 
 
    Aktion „Rote Hand“

Die  Aktion rote Hand protestiert gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten.

Trotz Verbotes durch ein Zusatzprotokoll der UN-Kinderechtskonvention vom 12. Februar 2002 werden noch immer etwa  250 000  Kinder in den Kriegen von Erwachsenen ausgenutzt.

FST.jpg

Herr Wingert vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Frau Steinmetz

hq.jpg

Schüler der Klasse 10b und ihr Klassenlehrer  Herr Quappen

Hand.jpg

besucher.jpg

Besucher der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag

Weitere Informationen gibt es auf: www.volksbund .de oder www.aktion-rote-hand.de

Zurück zur Startseite